Bundesarbeitsgemeinschaft Ärzte für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung e.V.
 
 
 
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Aktuelles
 

Am 4. Februar 2010 veranstalten die fünf Fachverbände der Behindertenhilfe in Zusammenarbeit mit den Krankenhausverbänden und der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation das Symposium "Patientinnen und Patienten mit geistiger und mehrfacher Behinderung im Krankenhaus. Problemlagen und Lösungsperspektiven" in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund und der Europäischen Union, Berlin.

Wir sind sehr erfreut darüber, dass es gelungen ist, für diese Veranstaltung alle relevanten Akteure zu gewinnen, um die vorliegenden Probleme umfassend zu analysieren und vielleicht erste Lösungsschritte zu entwickeln.

Alle näheren Informationen finden Sie hier:
Programm
Anmeldung


Weiterbildung "Medizin für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung"
Die medizinische Versorgung von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ist in Deutschland nach wie vor als unbefriedigend einzuschätzen. Die Zusatzweiterbildung "Medizin für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung" ermöglicht eine Qualifikation, die Ärzte dazu befähigt, die spezifischen Bedürfnisse und die besondere Situation von Menschen mit geistiger Behinderung zu berücksichtigen.
Herausforderungen ergeben sich durch besondere Ausdrucks- und Kommunikationsweisen von Menschen mit geistiger Behinderung. Andererseits finden die verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen bei Menschen mit geistiger Behinderung auch selbst zu einem besonderen Ausdruck, einer besonderen Gestalt, die zu erkennen und zu deuten es spezieller Kenntnisse und Erfahrungen der behandelnden Ärzte bedarf. Spezifische gesundheitliche Risiken, komplizierte Krankheitsverläufe durch Interaktion verschiedener Faktoren, insbesondere bei schweren Mehrfachbehinderungen, stellen hohe Anforderungen in der Gesundheitssorge dieses Personenkreises dar.
Das Curriculum richtet sich an Fachärzte, die mit Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung arbeiten. Es soll durch die Vermittlung von umfangreichen Kenntnissen Ärzte dazu befähigen, mit diagnostischer und therapeutischer Sachkompetenz den spezifischen Bedürfnissen geistig behinderter Menschen gerecht zu werden sowie präventive und multidisziplinäre Ansätze in der Gesundheitsversorgung einzubinden.
Im Vordergrund steht die medizinische Versorgung von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung, zumindest von dem Alter ab, in dem sie nicht mehr von Kinder- und Jugendärzten oder sozialpädiatrischen Zentren betreut werden.
Die nächste Weiterbildung beginnt mit dem 1. Wochenkurs A am 9. bis 11. April 2010.

Artikel zu der Fortbildung von Herrmann Jungnickel,
Deutsches Ärzteblatt 105(39) 2008, S. 107

Fortbildungsflyer

Anmeldungen und Anfragen für den Kurs an
Johann Wilhelm Klein-Akademie, z. Hd. Herrn Stefan Hetzel
Ohmstraße 7, Hs. 7, 97076 Würzburg
Fon: 0931-2092-2394
Fax: 0931-2092-2390

Email info@jwk-akademie.de
Informationen im Internet


Nachrichten aus der BAG: Potsdamer Tagung, Mai 2009
Mit der Tagung "Gesundheit für's Leben" - veranstaltet von der BAG gemeinsam mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe - fand 8 Jahre nach der Kasseler Tagung 2001 erneut eine große Fachtagung zur medizinischenVersorgung von Menschen mit geistiger Behinderung statt. Über 250 Teilnehmer kamen am 15. und 16. Mai 2009 nach Potsdam. Betroffene und deren Angehörige, Ärzte, Pädagogen und weiteres Fachpersonal informierten sich in zahlreichen Vorträgen und Workshops und nutzten die Pausen für Gespräche zwischen den Professionen.

Alle Referentenbeiträge sind auf der Homepage der Tagung www.gesundheitfuersleben.de nachzulesen. Am Ende der Tagung verabschiedeten die Teilnehmer die Potsdamer Forderungen. 13 Punkte sind darin benannt, in denen die Teilnehmer dringenden Handlungsbedarf für Deutschland sehen, um eine gute medizinische Versorgung insbesondere für erwachsene Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung zu ermöglichen. Einzelne Aspekte davon werden bereits seit Jahren benannt, ohne dass bisher grundlegende Verbesserungen erreicht werden konnten. Die Potsdamer Forderungen fallen nun in eine Zeit, in der sich Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung verpflichtet hat, eine gleichberechtigte Teilhabe in Gesundheitsfragen zu gewährleisten. Wir hoffen, dass die Wünsche und Forderungen, die Betroffene und Experten in Potsdam gemeinsam formuliert haben, von Verantwortlichen im Gesundheitswesen und der Politik ernst genommen werden.


Potsdamer Forderungen:
Eine gute Regelversorgung, die den ganzen Menschen sieht, muss ausgebaut werden und barrierefrei zugänglich sein für alle Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.
In der Gesundheitsversorgung müssen der Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter und die Bedarfe älterer Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung besonders berücksichtigt werden.
Spezielle Zentren in der ambulanten Versorgung erwachsener Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung und spezialisierte Krankenhäuser sind für die Unterstützung der Regelversorgung und für besondere Krankheitsbilder zwingend notwendig. Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, Therapeuten und andere Gesundheitsfachberufe sollen dort zusammenarbeiten.
Eine Assistenz und Begleitung durch pädagogische Fachleute oder andere Unterstützer muss bei der ambulanten wie stationären Gesundheitsversorgung gewährleistet sein.
Bei Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung müssen Besonderheiten für den Umfang der Verordnungsfähigkeit von Medikamenten, Heil- und Hilfsmitteln berücksichtigt werden.
Alle im Gesundheitsbereich Tätigen sollen die notwendige Zeit für ihre Patienten mit geistiger oder mehrfacher Behinderung haben und leichte Sprache verwenden.
Gute medizinische Versorgung für Menschen mit schwerster Mehrfachbehinderung stellt eine besondere Herausforderung dar. Hier braucht es neue Wege, Rahmenbedingungen und flexible Lösungen, die sich am einzelnen Menschen orientieren.
Angebote der Vorsorge und Rehabilitation für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung müssen ausgebaut werden.
Für einen erhöhten Aufwand und Zeitbedarf bei Diagnostik und Therapie müssen Ärzte und Krankenhäuser eine ausreichende Bezahlung erhalten.
Die besonderen Erkrankungsrisiken, Krankheitsbilder und therapeutischen Möglichkeiten von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung müssen in der medizinischen Forschung verstärkt berücksichtigt werden.
Wissen über die Besonderheiten der gesundheitlichen Situation von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung und ihre gesundheitliche Versorgung ist wichtig. Daher muss es Bestandteil in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten, Therapeuten und Angehörigen der Gesundheitsfachberufe sein, umgesetzt in anerkannte Weiterbildungsprogramme. Dies gilt auch für Mitarbeiter in der Behindertenhilfe.
Lehrstühle für Medizin für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung müssen sowohl für die wissenschaftliche Forschung als auch für Ausbildung und Lehre eingerichtet werden.
Es ist Aufgabe der Politik wie anderer Verantwortungsträger im Gesundheitssystem, verlässliche Regelungen für die medizinische Betreuung von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung zu entwickeln. Diese müssen der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen entsprechen.
   

Potsdam, 16. Mai 2009

 
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